Zitate

Veröffentlicht am 3. Dezember 2022 um 17:36

„Wenn die Küsse deines Majors heißer brennen als die Tränen deines Vaters — stirb!“

(Fünfter Akt, Erste Szene, S.109, Z. 21-22)

 

Dieses Zitat ist mir durch seine symbolische Bedeutung ins Auge gestochen. Gerade hat Louise ihrem Vater offenbart, dass sie sich umbringen will, um endlich mit Ferdinand vereint werden zu können. Dazu übergab sie Miller einen Brief an den Major adressiert, indem sie ihm die Wahrheit beichtet und ihn auffordert ihr sich anzuschliessen. Ihr Vater ist schockiert, da er Selbstmord für eine Todsünde hält. Ausserdem bedeutet sie alles für ihn, sein Vaterherz würde ihren Verlust nicht verkraften können. Mit diesem Zitat drückt er klar und deutlich aus, dass wenn ihr Ferdinand mehr bedeuten sollte als er, dann sei das ihre Entscheidung. Es wird eine gewisse Gleichgültigkeit übermittelt, obwohl dies natürlich nicht der Fall ist. Sein Ziel gelingt, da Louise ins Wanken gerät und sich schliesslich für ihren Vater entscheidet. In der Folge zerreisst sie den Brief an den Majoren und Miller schliesst sie freudig in die Arme. Er wusste genau, was er mit diesem Satz bewirken würde. Um seinen Worten noch mehr Dramatik zu verleihen, hat er von Metaphern Gebraucht gemacht, er hat seine Aussage gekonnt umschrieben. 

 

„[…] so viel Geld läßt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem verdienen.“

(Fünfter Akt, Fünfte Szene, S. 118, Z.28-29)

 

Gerade hat Ferdinand seinen gesamten Beutel mit Goldmünzen auf den Tisch von Miller gelegt und ihm erklärt, dass dieses Geld für die drei traumhaften Monate mit dessen Tochter bestimmt seien. Indirekt möchte er aber für Louises Verlust bezahlen, der bald durch ihren Mord verwirklicht werden wird, dies traut er sich aber nicht zuzugeben. Miller ist zuerst sehr skeptisch und voreingenommen, er will das «beschmutzte» Geld nicht annehmen. Damit deutet er indirekt auf die Ausbeutung des Herzogs und dessen Gefolge hin, welche ihr Geld damit verdienen, dass sie junge Männer ins Ausland schicken, um dort für fremde Fürsten zu kämpfen. Dieses Geld ist wahrlich nicht ehrlich verdient. Als Bürger, der sich das Leid, welches der Soldatenhandel mit sich bringt, bewusst sein sollte, wäre anzunehmen, dass Miller die Schenkung ablehnt, doch die Versuchung ist einfach zu gross. Von der anfänglichen Skepsis geht Miller in eine Euphorie über, er hat sich niemals erhofft, einmal so viel Geld in den Händen zu halten. Ihm ist mittlerweile gleichgültig, wer schlussendlich dafür bezahlen musste. Auch die Juwelen als Hochzeitsgeschenk der Lady Milford (Kammerdienerszene, 2. Akt, 2. Szene) wurden ebenfalls unehrlich auf Kosten des einfachen Volkes erworben. Im Gegenzug zu Miller kann Lady Milford die Annahme aber nicht vertreten, diese spricht gegen ihre Prinzipien. Es ist nicht selten, dass das «grosse Geld» einen Haken hat. Auch heute noch müssen Fabrikarbeiter unter unwürdigen Bedingungen arbeiten, währen die Firmenchefs das grosse Geld machen. Leider ist dieser Machtmissbrauch eine zeitlose Problemstellung.

 

 

 

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